Tennis, Leidenschaft und internationales Flair – dafür stehen die Wiesbaden Tennis Open.
Vom 26. April bis 3. Mai 2026 ist Wiesbaden wieder Bühne für hochklassiges Damentennis. Turnierdirektor Rolf Schmid gibt Einblicke in sein Turnier, seine Motivation und den Blick nach vorn.
Andy: Rolf, vom 26. April bis 3. Mai 2026 finden wieder die Wiesbaden Tennis Open statt. Was bedeuten Dir dieses Turnier und diese Woche ganz persönlich?
Rolf: Das Turnier ist „mein Baby“, das ich zur Welt gebracht und großgezogen habe, es ist Teil meines Lebens und beschäftigt mich rund ums Jahr.
Andy: Mit 100.000 US-Dollar Preisgeld gehören die WTO zu den größten internationalen Damenturnieren in Deutschland. Was geht Dir durch den Kopf, wenn Du Dir diese Dimension vor Augen führst?
Rolf: Zunächst einmal das Budget! Es ist jedes Jahr wieder eine Herausforderung, die nötigen Gelder zur Finanzierung eines solchen Events aufzutreiben. Gott sei Dank haben wir mit ca. 40 Partnern eine recht breite Basis, wobei die Zuschüsse von Stadt, Land und den Verbänden ein wesentlicher Bestandteil der Finanzierung sind.
Andy: Die Turniergeschichte in Wiesbaden reicht bis in die Mitte des letzten Jahrhunderts zurück. Wie wichtig ist Dir diese Tradition – und wie schaffst Du den Spagat zur modernen Turnierwelt?
Rolf: Die „alten Zeiten“ waren eigentlich nur der Auslösung für meine Vision. Das Turnier ist 2003 mit einem Preisgeld von 5.000,- € gestartet. Der Erfolg führte zu einer gewissen Eigendynamik, die mich quasi vor sich hertreibt. Folgeschritte ergeben sich damit zwangsläufig.
Andy: Die Wiesbaden Tennis Open markieren den Auftakt der Freiluftsaison. Was macht diesen Zeitpunkt im Jahr sportlich so besonders?
Rolf: Den Termin in der 18. KW hatte ich seinerzeit bewusst gewählt. Zwei Wochen vor den French Open, dem größten Sandplatzturnier der Welt, nutzen viele Spielerinnen der erweiterten Weltspitze die WTO als Vorbereitungsturnier dieses großen Grand-Slam-Turniers und bescheren uns damit ein höchst attraktives Teilnehmerfeld.
Andy: Bei den WTO treten immer wieder Spielerinnen an, die später den Durchbruch schaffen. Woran erkennst Du früh, dass eine Spielerin das Zeug zur Weltspitze hat?
Rolf: Das ergibt sich schon aus dem Teilnehmerfeld, das bis in die TOP100 der Welt reicht und somit Spielerinnen unterhalb der WTA 250 bestenfalls über die Qualifikation ins Hauptfeld kommen, es sei denn, sie erhalten eine Wildcard. Da kommt es schon vor, dass eine der Spielerinnen durchstartet und wenig später unter den TOP 50 der Welt steht oder noch höher.
Andy: Viele Fans schätzen die Nähe zu den Spielerinnen und die familiäre Atmosphäre. Was ist Dein persönliches Erfolgsrezept für dieses besondere Turniergefühl?
Rolf: Naja, wo kommt man als Tennisfan schon einmal so dicht an Spielerinnen heran, die man ggf. zwei Wochen später nur im Fernsehen sieht. Wir pflegen bei den WTO ein sehr familiäres Ambiente. Das lieben Spielerinnen und Zuschauer gleichermaßen.
Andy: 2025 war mit dem Besuch von Kim Kalicki auch Spitzensport jenseits des Tenniscourts zu Gast. Warum sind Dir solche sportartenübergreifenden Begegnungen wichtig?
Rolf: Weil wir nicht nur für Nachwuchsspielerinnen ein Sprungbrett für die Weltspitze sein wollen, sondern den gesamten Sport in der Landeshauptstadt Wiesbaden fördern wollen.
Andy: Der Finaltag 2025 begann nach einem heftigen Unwetter mit großen Herausforderungen. Hattest Du in diesem Moment kurz Zweifel – oder war Aufgeben keine Option?
Rolf: Ich habe in den vielen Jahren schon so viele unvorhersehbaren Katastrophen erlebt, für die ich Lösungen finden musste. Ich organisiere gerne und habe offensichtlich ein „gutes Händchen“ dafür.
Dazu habe ich ein starkes Team um mich herum, auf das ich mich verlassen kann. Geht nicht, gibt es nicht!
Andy: Politik, Sponsoren und Verband haben das Turnier zuletzt in höchsten Tönen gelobt. Wie viel Rückenwind gibt Dir diese Anerkennung für die kommenden Jahre?
Rolf: Das Turnier und auch ich persönlich haben schon einige Auszeichnungen und Ehrungen erhalten. Dafür tut man sich ein solches Projekt aber nicht an. Ich kann aber nicht verhehlen, dass eine derartige Wertschätzung sehr guttut und einem Kraft verleiht.
Andy: Du betonst immer wieder die Bedeutung deines Teams, der Ballkinder und der Helfer. Was macht für Dich ein starkes Team hinter den Kulissen aus?
Rolf: ALLES! Ich persönlich kann noch so aktiv sein, alleine sind die Aufgaben schon lange nicht mehr zu bewältigen. Die Erfolge des Turniers sind dem gesamten Team zu verdanken, auf das ich sehr stolz bin.
Andy: Die Planungen für 2026 laufen bereits auf Hochtouren. Kannst du uns einen kleinen Ausblick geben, worauf sich Fans und Spielerinnen freuen dürfen?
Rolf: Was den sportlichen Teil angeht sind wir qualitativ schon seit einigen Jahren top! Wir legen immer mehr Wert auf die Rahmenbedingungen. Wir bieten ein attraktives Turnierdorf zum Verweilen während der Spielpausen an und einen exklusiven Businessbereich für unsere Sponsoren. Verstärkt werden wir dieses Jahr auch Kinderanimation, Aufschlagmessung und diverse weiter Angebote vorsehen.
Andy: Zum Abschluss: Wo siehst Du die Wiesbaden Tennis Open in fünf bis zehn Jahren – und welchen Traum möchtest Du Dir mit dem Turnier noch erfüllen?
Rolf: Mein Traum ist bereits jetzt mehr als erfüllt. Ich wünsche mir für das Turnier noch mehr Zuschauer und Beachtung in der Öffentlichkeit. Wir sind ein Flaggschiff der ITF und sind im letzten Jahr als eines der besten Turniere weltweit ausgezeichnet worden. Alles Weitere ergibt ich von selbst.
Rolf, vielen Dank für das Gespräch und deinen großen Einsatz für die Wiesbaden Tennis Open. Wir freuen uns auf eine spannende Turnierwoche 2026 und viele besondere Tennis-Momente.